...Bau der neuen Schützenhalle
... laut Niederschrift über die außerordentliche
Generalversammlung, übrigens dem ersten Eintrag im nach dem Krieg
neu begonnenen Protokollbuch, vom 07.11.1948 wurde hier der
vielleicht wichtigste Beschluss in der Vereinsgeschichte der
Schützenbruderschaft „Sankt Nikolaus“ e.V. 1753 Cobbenrode
gefasst:
- es wurde mit 73 gegen 1 Stimmen der Bau der neuen Schützenhalle
beschlossen !
Versuchen wir einmal nachzuvollziehen in welcher Situation diese
Entscheidung
von „Mutigen“ und „Weitsichtigen“ getroffen wurde, erinnern wir
uns daran, dass
- der Krieg gerade mal seit 4 Jahren beendet war,
- die Trümmer in den Städten noch lange nicht beseitigt waren,
- Wohnungsnot herrschte (Zwangsbewirtschaftung von Wohnraum),
- das unzählige Kriegsgefangene noch nicht in die Heimat zurück
durften,
- und die DM war erst ein paar Monate alt.
Auch die Kirchengemeinde hatte wesentlich mit dazu beigetragen,
dass ein solches Vorhaben ins Auge fasst werden konnte. Sie
stellte der Schützenbruderschaft in Erbpacht ein ausreichend
großes Grundstück zur Verfügung.
Als Pachtpreis verlangt sie für das Hallengrundstück 20 DM/Jahr
und für das Umland,
dem heutigen Park- bzw. Rummelplatz, 30 DM/Jahr.
- den herrschende Zeitgeist charakterisiert die Eintragung im
Protokoll:
„Der Pachtpreis ist jährlich in Roggenwert 1 Ztr. Roggen gleich 12
DM zu entrichten.“
Dies verdeutlicht mehr als alles andere, dass zum neuen Geld, der
DM, noch keiner so richtig Zutrauen hatte.
Der Wert des neuen Geldes konnte offensichtlich noch nicht richtig
eingeschätzt werden.
Nicht verbrieft ist, ob die Planungen zur neuen Halle in der
Generalversammlung im einzelnen vorgestellt wurde.
Aber was für ein Schmuckstück da entstehen sollte, zeigt die
Ansichtszeichnung aus der Bauakte:

Ansichtszeichnung der Schützenhalle aus der Bauakte
Können Sie sich aber den Schrecken der Schützenbrüder vorstellen,
als bekannt wurde, was die neue Halle kosten sollte? Der Architekt
Stracke aus Eslohe hatte Baukosten von rd. 75.800 DM ermittelt. In
dieser Zeit eine schier unvorstellbare Summe. Hatte doch bei der
gerade stattgefundenen Währungsreform jeder mit einem Kopfgeld von
40 DM angefangen. Wie sollte eine solche Summe aufgebracht werden?
Sicher, jeder Schützenbruder war bereit, ordentlich mit anzupacken
und Holzspenden waren ganz bestimmt von allen Waldbesitzern auch
zu erwarten. Der Arbeitsaufwand war auf 140 Mannwochen für
Baufacharbeiter und 145 Mannwochen für Bauhilfsarbeiter geschätzt
worden, also ausreichend Gelegenheit für die Schützenbrüder,
Eigenleistung zu erbringen.
Aber es gab auch noch andere Schwierigkeiten. So unterlag Stahl
der Zwangsbewirtschaftung; das hieß, die Verwendung von Baustahl
musste für jedes einzelne Bauvorhaben durch die britische
Militärverwaltung genehmigt werden. Es galt also die Notwendigkeit
den Neubaus der Schützenhalle zu begründen und den Nachweis zu
erbringen, dass Baustahl im berechneten Umfang eingesetzt werden
musste. Für den gesamten Hallenneubau sollten dies 3,335 Tonnen
sein, dass ist sicher weitaus weniger als heute für ein
Einfamilienhaus benötigt wird.
Neben Zwecken der Kirchengemeinde, hier insbesondere im Bereich
der Jugendarbeit, und Vorführungen des Landfilms sollte die neue
Halle allen Cobbenroder Vereinen zur Verfügung stehen, wie es ja
auch heute noch selbstverständlich ist.
Aufgeführt sind hier im einzelnen der Theaterverein, der
Gesangverein,
die Musikkapelle, der Kirchenchor, der Sportverein und die
Freiwillige Feuerwehr.
Da das bisherige Gerätehaus der Feuerwehr ebenfalls durch einen
kriegsbedingten Brand zerstört worden war, sollten im
Kellergeschoss der neuen Halle auch die Gerätschaften und
Fahrzeuge der Feuerwehr untergebracht werden.
Die enormen Baukosten hoffte der Vorstand durch freiwillige
Spenden decken zu können. Des weiteren sollten Anteilscheine über
je 10 DM je nach Finanzlage der Schützenbruderschaft ausgegeben
werden.
In der außerordentlichen Generalversammlung am 16.06.1949
berichtete der 1-te Vorsitzender und Hauptmann Hubert Kracht, dass
„in ca. 3 Wochen Richtfest gefeiert“ werden könne.
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Bilder vom Richtfest ...
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Bilder vom Richtfest ...
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...der neuen Schützenhalle.
Er rief alle Schützenbrüder, besonders die jüngeren, auf, sich
stärker als bisher an den Arbeiten zu beteiligen. Kommt uns ein
solcher Appell nicht irgendwie bekannt vor? Offensichtlich waren
die Spenden nicht so reichlich geflossen wie erhofft, und für die
Anteilscheine „erwärmten“ sich weniger Schützenbrüder als wohl
ursprünglich angenommen. Wie dem auch gewesen sein mag, wichtig
war, dass in dieser Generalversammlung der Beschluss gefasst
worden war, dass von jedem Schützenbruder ein Beitrag von 2 DM
monatlich erhoben werden sollte.
Rechnen wir diesen per Beschluss gefassten „monatlichen Beitrag
von 2 DM“ je Schützenbruder einmal auf den damaligen Stundenlohn
um. Der Beschluss bedeutete, dass „etwa 4 Nettostundenlöhne“ Monat
für Monat von den Schützenbrüdern für den Hallenneubau
aufzubringen waren. Würden wir heute auch noch solche Opfer
bringen?
Vielleicht wichtiger als das Geld war die Festlegung des Termins
des ersten Schützenfestes in der neuen Halle. Es sollte am
31.07.1949 und 01.08.1949 stattfinden, also musst die neue
Schützenhalle bis dahin „so weit fertig sein“. Selbstverständlich
sollten auch die Nachbarschützenbruderschaften zu diesem Anlass
eingeladen werden.
Zu einer weiteren außerordentlichen Generalversammlung traf man
sich am 18.12.1949. Thema dieser außerordentlichen
Generalversammlung war wieder einmal die neue Schützenhalle bzw.
deren Finanzierung.
Die Baukosten gab der Vorstand hier mit insgesamt rd. 26.500 DM
an, außer den zu leistenden Hand- und Spanndiensten. Erinnern wir
uns, dass die Baukosten durch den Architekten mit 75.800DM
ermittelt worden waren. Anhand dieser Zahlen kann man sich wir
eine gute Vorstellung davon machen, in welchem Ausmaß jeder
Schützenbruder mit angepackt hat und wie viel Materialspenden
geflossen seien müssen.
Durch den „schleppenden“ Verkauf der Anteilscheine und durch die
monatlichen Beiträge waren insgesamt nur vergleichsweise
bescheidene 16.000 DM zusammengekommen. Der Versammlung musste
also berichtet werden, dass nach Abzug des vorhandenen
Barvermögens noch Verbindlichkeiten von rd. 10.500 DM verbleiben.
Bei der Fa. Padberg in Eslohe zum Beispiel standen noch
Materialrechnungen von ca. 5.300 DM offen. Die Firma Padberg
„entdeckt aber ihr Herz für die Schützen“ und stundete den
Rechnungsbetrag auf die Dauer von drei Jahren gegen den jeweilig
geltenden Zinssatz. Für den Restbetrag musste ein Kredit bei der
Spar- und Darlehenskasse Cobbenrode aufgenommen werden.
Da der „Zustand“ des kleinen Saales „noch nicht den Vorstellungen
der Schützenbrüder“ entsprach, wurden für den weiteren Ausbau noch
mal rd. 2.000 DM benötigt, für die ebenfalls ein Kredit
aufgenommen wurde.

Foto der fertigen Halle aus der Festschrift zum 100-jährigen
Jubiläum von 1953:
Aber auch in der „damaligen Zeit“ hat es säumige Zahler gegeben.
Also fasste man einen drastischen Beschluss:
die Schützenbrüder, die bis zum 01.04.1950 ihre rückständigen
Monatsbeiträge nicht
gezahlt hatten, sollten aus der Schützenbruderschaft
ausgeschlossen werden.
In der „damaligen Zeit“ hätte eine solche Maßnahme bedeutet, dass
der Betroffene gleichzeitig aus der gesamten Dorfgemeinschaft
ausgeschlossen worden wäre.
Die neue Halle stand aber auch für andere gemeinnützige Zwecke zur
Verfügung. Die Generalversammlung zeigte sich z.B. mit der
Errichtung eines Kindergartens einverstanden, sofern ein
entsprechender Zuschuss bewilligt würde.
Zum Kastellan (Hallenwart) wurde einstimmig Paul Göddecke gewählt.
Er erhielt die Genehmigung, sich in der Halle eine Wohnung
auszubauen; die Kosten musste er allerdings selbst aufbringen.
Die Schulden „lagen“ den Schützenbrüdern aus dem Hallenneubau
immer noch „schwer im Magen“. Um dem Abhilfe zu schaffen,
beschloss die Generalversammlung am 11.Februar 1951 von jedem
Mitglied eine Umlage 50 DM zur Schuldentilgung zu erheben. Das war
ein weiteres gewaltiges Opfer, das den Schützenbrüdern abverlangt
wurde. Eine solche Umlage in dieser Höhe dürfte „damals“
mindestens einem Wochenlohn entsprochen haben. Sicher für viele
Familienväter eine heute kaum noch nachzuvollziehende Belastung.
Die Solidarität der Dorfgemeinschaft wurde Anfang der 60er Jahre
abermals gefordert. Der Neubau des Sportplatzes auf dem Gelände
hinter der Schützenhalle stand an und damit war auch die Frage zu
beantworten wo die dazugehörigen Umkleide- und Duschräume
geschaffen werden könnten. Der geeignete Ort hierfür konnte nur
die Schützenhalle sein.
An der Schützenhalle waren zwischenzeitlich bereits erhebliche
bauliche Mängel sichtbar geworden, die dringend behoben werden
müssten. Es war also ein weiterer Kraftakt von Nöten, um mit einem
Schlag den Umbau bzw. die Erweiterung der Kellerräume für die
benötigten Umkleide- und Duschräume und gleichzeitig eine
grundlegende Sanierung der Halle durchführen zu können.
Die Schützenhalle wurde 1965, gemäß Generalversammlungsbeschluss,
unentgeltlich an die politische Gemeinde Cobbenrode übertragen. So
entging man finanziellen Risiken und gleichzeitig konnten
Zuschüsse aus öffentlichen Kassen in Anspruch genommen werden, für
die die Schützenbruderschaft oder der Sportverein nicht Antrags
berechtigt gewesen waren.
Bemerkenswert ist, dass für die Übertragung der Schützenhalle an
die Gemeinde Eslohe folgendes Argument im Protokollbuch vermerkt
ist:
„......letztlich ist noch zu bedenken, dass Schützenbruderschaft
und politische Gemeinde in etwa identisch sind. Jeder männliche
Bürger der Gemeinde, der etwas Gemeinsinn hat, ist zugleich
Mitglied der Schützenbruderschaft.“
Um die Umbauarbeiten durchführen zu können, musste jeder
Schützenbruder 20 Arbeitsstunden leisten oder ersatzweise eine
Umlage von 30 DM zahlen.
Mit der Gemeinde wurde ein Vertrag geschlossen, der die
Bruderschaft berechtigt, die Halle für ihren Veranstaltungen zu
nutzen; allerdings musste „ein angemessenen Pachtpreis“, die
Hälfte der Einnahmen aus der Schänken- und der
Rummelplatzverpachtung, an die Gemeinde gezahlt werden.

Ansichtszeichnung der „Gemeindehalle“ / Schützenhalle

Foto der „Gemeindehalle“ / Schützenhalle
Nach der kommunalen Neugliederung im Jahre 1975 hatte die
„Großgemeinde Eslohe“ Interesse daran, die Halle wieder an die
Schützenbruderschaft Cobbenrode zu übertragen. Mit den Jahren
wuchs aber auch der Wunsch der Schützenbrüder, wieder über eigene
„vier Wände“ zu verfügen. 1982 war es dann soweit; die
Generalversammlung beschloss die Übernahme der Schützenhalle in
das Eigentum der Bruderschaft.
Auch in den Letzten Jahren waren die Schützenbrüder in und an der,
jetzt wieder eigenen, Schüt-zenhalle aktiv; so wurde z.B. die
Theke in der großen Halle installiert und der Bierkeller gebaut.
Mit und nach der Übernahme folgte dann der Ausbau der kleinen
Halle in den Zustand, wie wir ihn heute kennen und schließlich
auch die Dachsanierung.
Weitere große Umbaumaßnahmen sind der Bau der neuen Toiletten und
die Neugestaltung der Fassade mit den Vorbauten.

aktuelle Ansicht der Schützenhalle

aktuelle Ansicht der Schützenhalle
Die vorerst letzte Aktion war schließlich die Errichtung der
Garderobe und die Schaffung des kleinen Kellers darunter,
in dem die Utensilien für die Karnevalsbühne einen guten Platz
gefunden haben.
Die Unterhaltung der Halle und der Anlagen im Sackloch zum Wohle
unserer Mitglieder und Mitbürger ist und bleibt eine der
wesentlichen Aufgaben unserer Bruderschaft. Sie wird uns auch in
Zukunft manches finanzielle und persönliche Opfer abverlangen.
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