
Ein wichtiges Ereignis der Schützenfeste ist jedes Jahr „das
Vogelschießen“ an der Vogelstange. Die Cobbenroder
Schützenbruderschaft tritt dazu am Freitag nach Fronleichnam um
9.oo Uhr zu Schützenmesse mit anschließender Ehrung der gefallenen
Schützenbrüder auf dem Friedhof an. Erst danach geht es dann „zur
Ermittlung“ der neuen Majestäten, Schützenkönig und
Jungschützenkönig, an die Vogelstange im Sackloch.
Dies ist der „zur Zeit festgelegt Ablauf“ des Vogelschießens bzw.
der Ermittlung der neuen Könige in Cobbenrode.
Wo aber stand die erste Vogelstange und unter welchen Umständen
fand das Vogelschießen „damals“ statt?
In den Protokollbüchern ab 1872 sind hierzu nur wenige Ortsangaben
gemacht worden. Bis 1890 ist unter Ausgaben bei der Pacht des
Schützenhofes auch der Platz der Vogelstange mit eingeschlossen:
aus dem Protokollbuch beginnend mit dem Jahr 1872:
Ausgaben 1884: an Clemens Vogelheim für Schützenplatz und
Vogelstange 7 Mark 50.
Bei weiteren Eintragungen für die Jahre 1885, 1886 und 1887 betrug
der Preis für den Platz der Vogelstange jeweils 3 Mark, bezahlt an
Clemens Vogelheim.
Stand die Vogelstange auf seinem Grundstück? Und war dieser Platz
vielleicht eine Rute (14,185qm) groß? Und wurde er deshalb im
Volksmund „Vogelrute“, auf Plattdeutsch „Vöüelraue“ genannt?
dazu weitere Angaben aus dem Protokollbuch:
Mark Pfennig
Ausgaben pro 1883 Dem Franz Rühsmann für eine neue Vogelruthe 18
50
Ausgaben pro 1891 Dem Franz Schäfers für eine neue Vogelruthe 20
Einnahmen pro 1891 Anton Dorls für die alte Vogelruthe 18 50
Wie und wo „damals“ auch immer das Vogelschießen im einzelnen
abgelaufen sein mag; eins wissen wir, nämlich dass im Jahre 1853
ein Schützenkönig, namentlich „Joseph Bischopink“, ermittelt
worden ist. Aus diesem Jahr existiert unsere älteste
Königsplakette:

Vorder- und Rückseite der ältesten noch vorhandenen Plakette der
Bruderschaft
In den Protokollbüchern der Schützenbruderschaft wird der Ausdruck
„Rute“ mehrfach und wechselweise gebraucht: Einmal ist die Stange
und einmal ist das Grundstück gemeint, auf dem die Stange steht.
Die Bezeichnung für das Grundstück wird wohl die richtige sein.
Zitat aus einer Versammlung am 16. April 1896:
„Der Cl. Vogelheim liefert den zum Schützenfeste nötigen Platz auf
10 aufeinander folgende Jahre von 1896 – 1906 für den jährlichen
Preis von 20 Mark, den Stand der Vogelstange mit eingeschlossen,
auch den Platz für die Kinder an der Wohnung des Jos. Korte.
Im Jahre 1891 ist sicherlich die neue Vogelstange auf dem Platz
zwischen den Häusern Franz Pilger, Josef Pilger und Harald Teipel
errichtet worden.
Das folgende Foto der alten Vogelstange (auf dem Bergrücken „Ober
dem Papelör“ gelegen) ist zwischen 1891 und 1904 entstanden und
zeigt Schützenbrüder sowie Zuschauer beim Gebet vor dem
Vogelschießen auf der alten Vogelrute ebenso wie einen „Ausblick“
auf Cobbenrode in dieser Zeit.

„Ausblick“ auf Cobbenrode von der alten Vogelstange / Vogelruthe
Die folgenden Fotos zeigen „die Ansicht der Vogelrute von
Cobbenrode aus“
sowie die Königsproklamation von Franz Sommer im Jahre 1957.
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| Blick von
Cobbenrode zur alten Vogelstange/Vogelrute |
Franz Sommer
sen., der neuer Schützenkönig 1957
(Klaus Hoffmann - Hubert Teipel - Franz Sommer - Josef Korte) |
Das Grundstück ist ein sehr schöner Platz mit Aussicht über das
ganze Dorf, aber sehr wetterabhängig.
Heute lautet die Straßenbezeichnung: Am Papelör; der Straßenname
wurde sicherlich von „Ober dem Papelör“, der alte Bezeichnung des
Bergrückens, abgeleitet. Das Gelände wurde erst nach 1960 bebaut.
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| So sieht das
Grundstück heute aus ! |
Blick von
Cobbenrode zur alten Vogelstange/Vogelrute
bzw. zum Papelör |
Genau nach 20 Jahren wurde die Vogelstange
erneuert, wie aus dem Protokollbuch von 1897 hervorgeht.
Verding über die neue Vogelstange von 1911, S. 205:
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Cobbenrode, den 19. März 1911
Nachdem unsere alte Vogelstange morsch und faul war, wurde vor
einiger Zeit vom Schützen-Vorstande beschlossen eine neue
anzuschaffen.
Die neue Stange soll anstatt des Hölzernen Gestelles aus zwei
eisernen 4 Meter langen U-Eisen 20 cm breit, 1 Meter tief in
einen Cubick Meter Cememt Block in die Erde eingestapft
werden, und über der Erde mit 2 verbindungs Eisen versehen
werden. Die tannen Stange ist vom Schützen-Vorstand auf dem
Platze angeliefert.
Alle übrichen Sachen, wie Eisen, Cement, Ausschachten und das
fertige aufstellen hat der Unternehmer zu besorgen. Der
Unternehmer hat die Arbeit bis zum 15. Mai d. Jahres fertig zu
stellen, und ein Jahr dafür zu haften. Nachdem vorstehende
Bedingungen vorgelesen waren, wurde zum Verding geschritten,
und blieb letztbietender mit 74 Mark Franz Schäfers. |
Diese Anlage
besteht heute noch.
In ihr ist eine Stange mit Wetterfahne angebracht.
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Unter dem Datum des 17. Januar 1926 steht folgender Eintrag im
Protokollbuch:
Am 26. November 1925 ist das Grundstück bei der Vogelstange in der
Gemarkung Cobbenrode Flur No. 1 Parzelle 250/66 und Flur No. 1
234/66 groß 14 ar 75 qm in den Besitz der Gesellschaft
übergegangen.
In der Zeit vor 1900 waren Ruten ein gebräuchliches Flächenmass.
Eine preußische Rute hatte nach der Neuregelung von 1793 14,185
qm. Das Grundstück hatte eine Größe von 104 Ruten. In der
örtlichen Sprechweise wird immer gesagt: „Auf der Vogelrute“,
plattdeutsch: „Op diär Vöüelraue“. Außer bei älteren Leuten wird
man den Ausdruck in nächster Zeit wohl nicht mehr hören.
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| Auszug aus dem
Protokollbuch vom 17. Januar 1926: |
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I. Vogelruthe III. alte Schützenhalle
II. Schützenhalle sowie Wege zur Vogelruthe
Im Zuge der Flurbereinigung um 1960 konnte ein neuer Platz
gefunden werden, und zwar im „Sackloch“. An dieser Stelle war
schon vor dem II. Weltkrieg ein Schießstand mit Überdachung, auf
dem Übungsschießen, das in dieser Zeit modern wurde, mit
Kleinkalibergewehren und Ähnlichem stattfand. Der Kugelfang befand
sich etwa 20 bis 30 Meter weiter talaufwärts als der jetzige. Er
bestand aus Fichtenstämmen mit Erdreich. Davor war ein Unterstand,
eine Grube, in der sich Männer befanden, welche die Schießscheiben
überwachen mussten. Der beschriebene Unterstand war nicht mehr
vorhanden. Es regte sich aber sehr schnell der Wunsch, wieder
einen Schutz vor Witterungsunbilden zu schaffen. Allerdings fehlte
dazu das nötige Kleingeld. Die Generalversammlung 1964 hat
schließlich den Bau einer ca. 85 qm großen Überdachung (mit
Erweiterungsmöglichkeiten) beschlossen. Die Kostenschätzung belief
sich auf rd. 5.000 DM. Zur Finanzierung musste der Festwirt einen
erheblichen Pachtvorschuss leisten; der Rest sollte evtl. durch
einen Kredit gedeckt werden.
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Ansicht des Unterstandes
Sehr bald wurde der kleine Bach verrohrt;
die dadurch möglich gewordenen Aufschüttung bietet zusätzlichen
Platz. Die Anlagen wurden 1965 durch ein festes Toilettenhäuschen
ergänzt.
1978 und in den Folgejahren wurde schließlich der Unterstand
versetzt und wesentlich erweitert. Ein geschlossener Raum mit
einem offenen Kamin wurde errichtet, der den Schützenbrüdern auch
für private Feierlichkeiten zur Verfügung gestellt werden kann.
Eine gründliche Renovierung des Unterstandes und dieses Raumes ist
erst im letzten Jahr durchgeführt worden. |
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Der Bach im Sackloch musste vorerst auch für die Wasserversorgung
herhalten. Allerdings genügte dies sehr bald den Ansprüchen nicht
mehr. Unter erheblichem persönlichen Einsatz vieler Schützenbrüder
konnte 1980 das Sackloch an die öffentliche Wasserversorgung
angeschlossen werden; sicherlich auch ein entscheidender
Fortschritt für die Toilettenanlagen. Die Gelegenheit war günstig
und so ist auch für einen Stromanschluss gesorgt worden.
Da der Wasserbeschaffungsverband noch nicht über den jetzigen
Hochbehälter verfügte, war die Versorgung der Hochzonen recht
problematisch. Platz für die erforderliche Druckerhöhungsanlage
fand sich schließlich im Haus von Engelhard Feldmann.
Die beim Vogelschießen ab Mitte der 60er Jahre zu beachtenden
Sicherheits- Standards verlangten neben einer Gewehrauflage auch
einen Kugelfang. Dieses beträchtliche Gewicht konnte eine Stange
nicht mehr aufnehmen; es musste etwas Stabileres her. Ein
ausgedienter Strommasten (Gittermast) fand hier eine neue
Zweckbestimmung. Nachdem eine Seilwinde (mit Muskelkraft zu
betreiben) und Laufschienen für die Aufnahme des Kugelfanges
angebracht waren, war die Vorschriften genüge getan.
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Ansicht der neuen Vogelstange
Nach 20 Jahren konnte dieser Mast
durch einen schlanken Breitflanschträger ersetzt werden, der bis
heute in Betrieb ist (der Betonsockel trägt übrigens das Datum
10.04.1980).
Gleichzeitig wurde auch die Seilwinde durch einen
Elektromotor abgelöst.
Erster König an der neuen Vogelstange wurde 1962 mit dem 13.
Schuss Franz Sommer jun.. Der kurze Kampf um die Königswürde
erklärt sich aus folgendem Umstand: |
Der Vogel war – natürlich – nach den Vorlagen der Vorjahre gebaut.
Nicht bedacht wurde der Umstand, dass er im neuen Kugelfang Platz
finden musste; was nur mit äußerster Mühe gelang.
Folge war, dass
der Vogel unter erheblicher Spannung stand und so ein Schuss, der
wahrscheinlich der Krone oder dem Zepter galt, zum Absturz des
Aars führte.
Im Jahr 2007 wurde die nicht mehr Zeitgemäße Toilettenanlage aus
dem Jahr 1965 komplett abgerissen und eine neues, größeres
Toilettengebäude wurde an gleiche Stelle errichtet. |